Aktuelles05.05.2017

Mit Angela Schiffer fit für die Zukunft

Der Name Helmut Maintz ist wohl jedem Mitglied des Karlsverein-Dombauverein bekannt. Der Dombaumeister hält schließlich bei der jährlichen Vollversammlung seine äußerst beliebten Vorträge und auch darüber hinaus stets über Fortschritte der Maßnahmen am Dom auf dem Laufenden. Wer aber ist Angela Schiffer?
Die Bauzeichnerin, staatlich geprüfte Bautechnikerin Hochbau und Gebäude sowie Energieberaterin (HWK) steht dem Karlsverein-Dombauverein gewissermaßen noch näher als der Dombaumeister selbst. Schließlich finanziert der Verein in einem laufenden Projekt heimlich, still und leise exakt 23 Prozent ihrer Stelle. Mitarbeiterin der Dombauhütte Aachen ist sie bereits seit 2013, und zwar als Technische Angestellte. Neben Jochem Brammertz und Frank Müllejans – beide Handwerker – ist sie als rechte Hand für Helmut Maintz unverzichtbar. Für den Dom sowieso. Sie bringt schließlich technisches Know-how mit, das sie in die Lage versetzt, etwas voranzutreiben, was Helmut Maintz als „immens wichtig“ beschreibt, womit er selbst sich aber ungern auseinandersetzt, zumal er dafür schlichtweg keine Zeit neben dem normalen Tagesgeschäft findet: Digitalisierung.
Das Wort ist derzeit in aller Munde und doch abstrakt. Heißt es doch vereinfacht ausgedrückt, etwas für die Nutzung mittels elektronischer Medien und mit diesen arbeitenden Geräten zu transformieren. Wie und vor allem warum die Architektur des Domes digitalisiert werden soll, erklärt Angela Schiffer selbst so: „Sie müssen sich vorstellen, dass wir allein aus der Vergangenheit rund 6000 Zeichnungen und Fotos in einer Anzahl, die mittlerweile gut im fünfstelligen Bereich liegt, vorliegen haben. In Zukunft wird diese Masse an Medien um ein Vielfaches steigen. Wir müssen diese Daten in eine Ordnung bringen, in der sie schnell und unkompliziert genutzt werden können. Das geht über das einfache Einscannen und Archivieren deutlich hinaus.“
„Früher, als wir noch analog fotografiert haben, habe ich mir auf Baustellen ganz genau überlegt, was ich darstellen will und wie ich es später beschrifte und ablege, um es wiederzufinden“, schaut Helmut Maintz zurück in die 1980er und 90er. „Damals musste ich den Film ja zum Entwickeln bringen, jedes Foto hat Geld gekostet, und dann mussten Akten angelegt werden etc. Heute hat man einmalig die Kosten für Kamera und Chip, und dann hält man drauf und legt digitale Ordner an“, unterstreicht er die Unterschiede. So weit, so gut: „Nur dass sie Masse an Daten natürlich wenig hilfreich ist, wenn ich ein Problem am Pfeiler X habe und dann erst – im besten Fall, wenn schon alles elektronisch hinterlegt ist – stundenlang durch riesige Archive browse, um vielleicht etwas zu finden, dann aber immer noch nicht weiß, ob das alles war oder es noch mehr gibt.“
Dieser Problematik will die Dombauhütte Herr werden und gleichzeitig alle bisherigen Daten so aufbereiten, dass künftige Kollegen schnell und zuverlässig alles finden, was sie wissen wollen. Dabei helfen soll ein System, das Monarch heißt. Es ist kein exklusives Baby der Dombauhütte Aachen, sondern ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem unter anderem die Universitäten Passau und Bamberg daran arbeiten, ein offenes System zu entwickeln, das auf die Bedürfnisse von Institutionen zugeschnitten ist, die wie die Dombauhütte Aachen eine grafische Datenbank benötigen, um z.B. Bauzeichnungen oder Fotogrammetrien zu erfassen und mit anderen Dokumenten wie Bildern, Fotos, Beschreibungen, ja sogar Rechnungen und Dokumentationen zu verknüpfen. „Wenn alles so aufbereitet ist, dass Monarch damit gefüttert werden kann, bedeutet das eine enorme Arbeitserleichterung. Wir können dann zeitsparend und effizient alles aufrufen, was uns vorliegt – im Prinzip für jeden einzelnen Stein des Domes“, fasst Maintz zusammen.
Genau da ist aber der Haken: Damit später alles funktioniert, interaktiv nutz- und erweiterbar und vor allem vollständig und fehlerresistent ist, muss jemand die Vorarbeit leisten, das vorhandene Material entsprechend aufzubereiten. Diese Mammutaufgabe hat Angela Schiffer übernommen – allerdings nur mit 23 Prozent ihrer Stelle. „Denn natürlich fallen im Alltag auch noch zig andere Aufgaben an, und weil ich für die Arbeit mit dem CAD-System und das Aufbereiten der Daten Ruhe brauche, bleibt auch manches liegen, bis ich mich dann wieder einige Zeit am Stück darum kümmern kann“, beschreibt sie das Vorgehen. Sie macht den Dom aus bautechnischer Sicht fit für die Zukunft. Warum das mehr Zeit in Anspruch nimmt, als ursprünglich kalkuliert, und wie das CAD-System überhaupt auf Fotogrammetrien anzuwenden ist, lesen Sie hier nächste Woche in Teil 2 dieser dreiteiligen Serie zu einem Langzeit-Projekt, das der Karlsverein unterstützt.
Wer in der Zwischenzeit mehr über die Bandbreite der Arbeit der Dombauhütte erfahren will, schaut sich hier den Imagefilm kostenlos an. Spenden für den Erhalt des Domes sind stets willkommen; wenn Sie den Erhalt des Domes und auch die Digitalisierung der Daten rund um das UNESCO-Welterbe mit Ihrer Mitgliedschaft unterstützen wollen, informieren Sie sich per Klick auf diesen Link.

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