Aktuelles28.01.2018

Jahresrückblick mit dem Dombaumeister

Keine Jahreshauptversammlung ohne Helmut Maintz: Der Dombaumeister mit seinen stets ebenso informativen wie amüsanten Jahresrückblicken in Wort und Bild zum Fortgang aller Maßnahmen am, im und rund um den Aachener Dom ist stets der heimliche Höhepunkt des Karlsvereinstreffens (mehr dazu hier). In guter Tradition hat er auch diesmal auf das Jahr 2017 zurückgeschaut, und zwar nicht nur auf die vom Karlsverein unterstützten, sondern auf alle Aktionen.
Natürlich widmete Helmut Maintz sich zunächst ausführlicher der Sanierung des Bleichdachs über dem Sechzehneck, „die wir 2017 erfolgreich fertiggestellt haben“. Er erinnerte daran, dass einige der Schäden auf ein vor Jahren in bestem Glauben an die Vorteile des Mittels aufgebrachtes Holzschutzmittel namens Xylamon zurückzuführen waren: „Das führt zu Weißrost.“ Zu den Restarbeiten, die 2017 noch ausgeführt worden waren, gehörte die Verkleidung der Natursteinrinnen mit Blei, die Be- und Entlüftung durch Kupfergitter, das Verfugen von Dachteilen und Rinnen mit dem Mauerwerk. „Es gibt kein dauerelastisches Material, lassen Sie sich nicht täuschen“, sprach Helmut Maintz sich gegen die Verwendung von Silikon aus, zumal das auch nicht zur Philosophie passen würde, am Dom so nah wie möglich an den Originalmaterialien und -techniken zu bleiben: „Wir haben in einer alten Handwerkstechnik unter Verwendung von Bleiwolle verfugt.“
Nach weiteren kleineren Arbeiten wie dem Vergittern eines Ablaufs, „damit Tauben gar nicht erst auf die Idee kommen, sich dort einzunisten“ und einem neuen Anstrich für Türen, „haben wir ab April das Gerüst zurückgebaut, im Oktober schließlich auch die Südseite des Domes abgerüstet“. Zwischenzeitlich habe die Dombauhütte zudem für Ordnung im Hof gesorgt, den Heiligen Stephanus wieder platziert, die Freifläche um ihn herum attraktiv bepflanzt. „Allerdings“, deutet Helmut Maintz an, dass eine Maßnahme immer nur so lange abgeschlossen ist, bis neue Probleme auftreten, „haben wir bei anderen Bleieindeckungen, etwa am Oktogon, rötliche Verfärbungen festgestellt und uns gefragt, was das wohl sein mag.“ Es stellte sich heraus, dass es sich um eine wohl unschädliche, aber gleichsam unschöne Bleisulfatschichte infolge von früher höheren Schwefeldioxidwerten handele: „Die Kollegen in Paderborn und München haben das gleiche Problem.“ Wie damit künftig umgegangen werde, müsse man sehen.
Auch in der Domschatzkammer stand bekannterweise 2017 viel Neues an, etwa der Einbau eines zeitgemäßen Lifts, der einen barrierefreien Zugang zu allen Ebenen ermöglicht. Helmut Maintz ließ so manchen schmunzeln, als er von der Anlieferung der Lift-Bauteile durch einen niederländischen Spediteur berichtete, der ob der sicherheitsbedingten Restriktionen im Domviertel in Kombination mit der Größe des Fahrzeugs bei der Anlieferung einigen Grund zum Fluchen fand. Letzten Endes legten die Bauteile die restlichen Meter in Handwagen zurück.
Am Bischofshaus wurde insbesondere die Aufarbeitung der Dachterrasse fokussiert, die mit neuen Kunststoffbahnen ausgelegt werden musste. Erheiterung erntete der Umgang des Dombaumeisters mit einer notwendigen Entlüftung der Toilettenräume: „Da war dann von außen ein Gitter im Mauerwerk zu sehen, das konnte so natürlich nicht bleiben. Also haben wir-“ Klick, nächstes Bild: Das Gitter verschwindet hinter einem Reliefstein. „-das Bischofswappen davorgehängt. Ist ja auch sinnvoll, wenn man gleich von außen sehen kann, wer drinnen wohnt.“
Weitere kleinere Arbeiten standen unter anderem an der Laterne des Oktogons, beim Stromkasten, der den Stundenschlag reguliert, am nun halbjährlich per Dampfmaschine gereinigten Boden des Domes sowie im nun chemiefrei umkrautbefreiten Domhof an. „Ein Thema war auch die Bestuhlung in der Chorhalle„, schaut Helmut Maintz zurück: „Die alte war sperrig, jetzt haben wir eine neue in Form von leichten, stapelbaren Stühlen.“ Auch der Karlstür wurde und wird künftig noch mehr Aufmerksamkeit gewidmet: „Sie wird derzeit von Experten untersucht. Sie ist ja schon einmal datiert worden, und auch die aktuellen Datierungen unterstreichen das Ergebnis: Es ist sehr wahrscheinlich, dass Kaiser Karl persönlich diese Tür in der Hand hatte.“ Immerhin deute die Datierung des Holzes mit einer Wahrscheinlichkeit von 95,4 Prozent (!) auf einen Ursprung in den Jahren 667 bis 770 hin, die des Leders mit einer 93,1-prozentigen Wahrscheinlichkeit auf einen Ursprung in der Zeitspanne zwischen 773 und 895.
Ebenfalls ins Hier und Jetzt reicht die Sanierung der Domorgel hinein, mit der begonnen wurde. „Alle 3000 Pfeifen müssen einzeln entnommen, gereinigt und – hoffentlich – wieder an richtigen Stelle eingesetzt werden“, amüsierte Helmut Maintz auch mit diesem Thema seine Zuhörer. Ernst hingegen seien die Spuren von Schimmelbefall an den Holzpfeifen. Nach einer Exkursion in die allgemeinen Klimadiagramme des Domes, die durchweg gut sind, kam der Dombaumeister zur Conclusio: „Sie zeigen, dass im Inneren der Orgel eine schlechte Zirkulation herrscht.“ Damit müsse man sich auseinandersetzen. Wer sich in der Zwischenzeit verständlich darüber informieren möchte, wie eine Orgel überhaupt aufgebaut ist und funktioniert, für den hatte Helmut Maintz einen durchaus ernst gemeinten Tipp: „Schauen Sie sich den Beitrag der Sendung mit der Maus dazu an, besser werden Sie es nirgends erklärt finden.“ Der Karlsverein hat ihn hier für alle Neugierigen direkt verlinkt.
Ein letztes, im Vorjahr aktuelles, aber noch nichts abgeschlossenes Thema ist der Rückkauf von 77 Gipsmodellen der im und um den Dom verbauten Götting-Figuren. „Das war ein großes Anliegen von Caroline Reinartz, zumal diese mit dem Erschaffer verwandt war“, erinnert sich Helmut Maintz, „doch leider ist sie ja, wie Sie wissen, im Vorjahr verstorben.“ Die Verhandlungen wurden aber fortgeführt, „und der Karlsverein hat zugestimmt, den Rückkauf zu unterstützen“, sodass der Dombaumeister damit rechnet, im Frühjahr die Modelle, die höchst relevant sind, um bei künftigen Reparaturen und Rekunstruktionen fehlender Figur-Teile so genau wie möglich am Original bleiben zu können.
Des Weiteren brachte Helmut Maintz schmunzelnd „Pleiten, Pech und Pannen“ zur Sprache, unter anderem eine Plastikkerze, die sich als möglicher Brandherd entpuppte, die Crux mit Zetteln, die gedankenverloren mit Klebeband an Türen geheftet werden und Schäden am Anstrich verursachen sowie offene Fenster, die sogleich Tauben anlocken, sich im Inneren des Domes umzuschauen. Tauben wiederum, beziehungsweise deren natürliche Bekämpfung, sind der Grund, warum die Dombauhütte einen eigenen Falkenhorst pflegt, um „im besten Fall Wanderfalken zum Nisten einzuladen“. Im Vorjahr sei es zwar „nur ein Turmfalkenpärchen“ gewesen, erzählte der Dombaumeister bedauernd, „denn die gehen nicht auf Tauben“, aber die Webcam, die Nisterfolge und Entwicklung der Jungen minutiös der Außenwelt zeigte, wurde stark frequentiert.
„Nun also“, schloss der Dombaumeister vor seinem traditionellen Rückblick auf Baumaßnahmen vor fünf, zehn, 15, 25, 50 und 100 Jahren mit dem Vorausblick, „wenden wir uns der Taufkapelle zu. Abgesehen von den offensichtlichen Maßnahmen, die im Zusammenhang mit dem nicht mehr dichten und verzogenen Schieferdach anstehen, richten wir auch ein Augenmerk die historischen Überbleibsel des früheren Torbogens zum Domhof hin: „Das muss besser geschützt werden.“ Wie alles im und rund um den Dom – ganz im Sinne des Karlsvereins!

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Am Freitag, 26. Januar, treffen sich ab 19 Uhr alle Mitglieder des Karlsvereins zur jährlichen ordentlichen Hauptversammlung. Ort des Geschehens ist die Kundenhalle der Sparkasse Aachen, Eingang Münsterplatz. Auf der Tagesordnung steht unter anderem der stets beliebte Vortrag zum Stand der Dinge am Aachener Dom von Dombaumeister Helmut Maintz.

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