Wer über den Domhof geht, ahnt kaum, welche Geschichten sich hinter der kleinen Taufkapelle St. Johannes Baptist verbergen. Von außen wirkt das Bauwerk unscheinbar – doch in seinen Mauern und unter seinem Boden lagern Spuren aus über 1.500 Jahren Geschichte.
Schon am äußeren Mauerwerk lassen sich rätselhafte Details entdecken: ein verkehrt eingesetzter römischer Inschriftenstein, eine Jakobsmuschel, tiefe Rillen im Sandstein und mittelalterliche Graffiti. Noch spannender wird es im Untergrund: Archäologische Funde zeigen, dass hier schon in römischer Zeit gebaut und gelebt wurde – lange bevor die Kapelle 1215 erstmals urkundlich erwähnt wurde.





Schon das Äußere der Taufkapelle bietet Interessantes und Rätselhaftes. Obere Reihe v.l.n.r.: Jakobsmuschel, historisches Graffiti, Bauinschrift. Untere Reihe v.l.n.r.: Riefen und römischer Inschriftenstein (© Fotos Lydia Konnegen)
Karlsverein sichert den Erhalt
Dass Besucher und Besucherinnen diese Spuren heute überhaupt erleben können, ist auch dem langjährigen Engagement des Karlsvereins zu verdanken. Zwischen 1985 und 1987 unterstützten die Mitglieder des Karlsvereins maßgeblich die Sanierung der Kapelle: Das Dach wurde erneuert, der Innenraum saniert und ein besonderer, modularer Boden eingebaut, unter dem sich die Grabungszone erstreckt.
Jahrzehnte später übernahm der Karlsverein wiederum Verantwortung. Ab 2019 förderte der Karlsverein die Sanierung des Außenmauerwerks und – ganz wichtig – die Instandsetzung des schadhaften Dachstuhls und der undichten Dacheindeckung. Die Ergebnisse dieser Arbeiten sind detailliert im Band 22 der Jahresschriften des Karlsvereins und in diesem Video der Dombauleitung dokumentiert – ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie der Verein den Erhalt der Taufkapelle langfristig sichert.
Einmalige Gelegenheit am Tag des offenen Denkmals
Am Sonntag, 14. September, öffnet das Domkapitel die Kapelle anlässlich des Tags des offenen Denkmals. Zwischen 11:00 und 16:30 Uhr können Interessierte in kleinen Gruppen von maximal zehn Personen an Führungen teilnehmen und einen seltenen Blick in die archäologische Zone werfen.
Die Anmeldung startet am 24. August über www.aachenerdom.de
