Am Mittwoch, den 9. Juli 2025, fand im Oktogon des Aachener Domes die erste Ausgabe der neuen Veranstaltungsreihe „DomGespräche“ des Karlsverein-Dombauverein statt. Unter dem Titel
„Der Aachener Dom als UNESCO-Welterbe – Anspruch, Auftrag, Alltag“ diskutierten Dompropst Rolf-Peter Cremer, Dombaumeister Dr. Jan Richarz, Noëmi Preisler (wissenschaftliche Mitarbeiterin der Dombauhütte) und Isabel Maier (Stellvertretende Leiterin der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Aachen) mit großer Offenheit über Chancen und Herausforderungen, die mit dem Welterbestatus des Aachener Domes verbunden sind.



Gelungener Auftakt des neuen Veranstaltungsformats „DomGespräche“ (Fotos © Andreas Schmitter)
Die Resonanz war außerordentlich positiv – zahlreiche Mitglieder und Interessierte nutzten die Gelegenheit, um mehr über die Hintergründe und aktuellen Fragestellungen rund um das Weltkulturerbe zu erfahren.
Ein zentrales Thema des Abends war die Frage, wie der Anspruch des Welterbetitels mit dem Alltag am Dom vereinbar ist. Der Aachener Dom zieht als erstes deutsches UNESCO-Welterbe seit Jahrzehnten viele Gäste aus aller Welt an. Doch wie mehrere Gesprächsteilnehmende betonten, geht dabei oft der ursprüngliche Zweck des Bauwerks verloren: Der Dom wurde unter Karl dem Großen als Gotteshaus gebaut – als Ort des Glaubens. Diese spirituelle Dimension tritt für viele Besucher heute zunehmend in den Hintergrund.
Gleichzeitig bringt der Welterbestatus zahlreiche Verpflichtungen mit sich. So müssen alle Restaurierungsprojekte dem Internationalen Denkmalrat ICOMOS gemeldet und mit ihm abgestimmt werden. Ein zentraler Bestandteil ist zudem die Erstellung eines Welterbemanagementplans, der den langfristigen Erhalt des Bauwerks in seiner historischen und kulturellen Bedeutung sichern soll.
Auch die Stadt Aachen ist in den Schutz eingebunden. Seit 2013 existiert eine sogenannte Pufferzone rund um den Dom – das Gebiet innerhalb der beiden Aachener Grabenringe zuzüglich einiger wichtiger Sichtachsen. In diesem Bereich müssen alle baulichen Maßnahmen daraufhin geprüft werden, ob sie das Erscheinungsbild und die Wirkung des Welterbes beeinträchtigen könnten.
Trotz aller bürokratischen Anforderungen sehen die Beteiligten auch eine große Chance: Der Welterbetitel bietet eine Plattform, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen – über Geschichte, Baukunst und über den Glauben. Genau hier knüpfen die „DomGespräche“ an: als Ort des Dialogs und der Verständigung, mitten im Zentrum eines lebendigen Denkmals. Mit dieser Auftaktveranstaltung ist ein vielversprechender Start in die neue Gesprächsreihe gelungen.
Wichtig war den Beteiligten auch ein Hinweis auf die Rolle des Karlsvereins-Dombauverein, der sich seit über 175 Jahren für den Erhalt des Aachener Domes einsetzt. Die UNESCO vergibt den Welterbetitel, stellt aber keine finanziellen Mittel zur Verfügung. Umso bedeutsamer ist das Engagement des Karlsvereins, der durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Fördermaßnahmen einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung des Bauwerks leistet – in enger Zusammenarbeit mit der Dombauhütte.
