Seit mehr als 1.200 Jahren prägen Generationen von Handwerkerinnen und Handwerkern die Bau- und Restaurierungsgeschichte des Aachener Doms. Welches Können, welche Präzision und welches Fachwissen dafür erforderlich sind, zeigt derzeit die Junge Dombauhütte auf dem Katschhof. Dort arbeiten junge Steinmetzgesellinnen und -gesellen an neuen Bauzierelementen für die Restaurierung der Anna- und der Matthiaskapelle und machen ein Handwerk erlebbar, das den Dom seit Jahrhunderten erhält.
Handwerk für die Restaurierung der gotischen Kapellen
Unter Anleitung erfahrener Fachkräfte der Dombauhütte fertigen die Nachwuchssteinmetzinnen und -steinmetze neue Fialen – schlanke Ziertürmchen, die zu den charakteristischen Gestaltungselementen der gotischen Architektur gehören. Die neuen Werkstücke ersetzen stark geschädigte Originale und fügen sich später in die historische Bausubstanz ein.
Mit dieser Arbeit setzt die Junge Dombauhütte die Jahrhunderte alte Tradition der europäischen Dombauhütten fort. Seit dem Mittelalter geben erfahrene Handwerker ihr Wissen, ihre Fertigkeiten und ihre praktischen Erfahrungen an die nächste Generation weiter. Dieses bewährte Prinzip sichert bis heute die hohe handwerkliche Qualität bei der Restaurierung bedeutender Kulturdenkmäler.

Schäden machten eine Erneuerung erforderlich
Die Arbeiten gehören zu einem umfassenden Restaurierungsprojekt an den beiden gotischen Kapellen auf der Südseite des Doms. Bei den Untersuchungen entdeckten die Fachleute unerwartete Schäden am Außenmauerwerk. Vor allem die Fialen wiesen zahlreiche Risse auf, die ihre Standsicherheit beeinträchtigten. Da sich die geschädigten Werkstücke nicht mehr dauerhaft erhalten ließen, entschied sich die Dombauhütte für eine originalgetreue Neuanfertigung. So sichert sie die wertvolle historische Bausubstanz und bewahrt die beiden Kapellen für kommende Generationen.

Traditionelles Handwerk bewahren
Die Junge Dombauhütte zeigt zugleich, wie wichtig die Weitergabe historischer Handwerkstechniken ist. Die Restaurierung mittelalterlicher Bauwerke verlangt weit mehr als geeignete Materialien. Sie braucht Menschen, die traditionelle Bearbeitungstechniken beherrschen und sie mit großer Sorgfalt anwenden. Nur durch eine kontinuierliche Ausbildung bleibt dieses spezialisierte Wissen erhalten – eine wesentliche Voraussetzung für die fachgerechte Erhaltung des Aachener Doms und vieler weiterer historischer Bauwerke.



Alte Handwerkstradition zur Erhaltung des Aachener Doms. In der Jungen Dombauhütte entstehen neue Bauzierelemente für die Annakapelle (Fotos © Aachener Dom, Alexander Müller
Die Junge Dombauhütte macht deutlich, dass der Erhalt des Aachener Doms untrennbar mit der Ausbildung qualifizierter Handwerkerinnen und Handwerker verbunden ist. Die Pflege des baulichen Erbes und die Bewahrung traditioneller Handwerkskunst gehören deshalb eng zusammen. Dieses Zusammenspiel zu fördern und zu begleiten, ist seit seiner Gründung auch ein zentrales Anliegen des Karlsvereins.
