Abschlussbericht von Dombaumeister Helmut Maintz zum Projekt

 

Zimmererarbeiten:

Eigentlich sahen die ersten oberflächlichen Einschätzungen nur die Aufdoppelung der Schalhaut mit einer zweiten, neu montierten Schalung vor. Nach Beginn der Freilegungsarbeiten zeigten sich jedoch die Sparren in so einem schlechten Zustand, dass sie erneuert werden mussten. Schwierigkeit hierbei, die konkav und konvex gebogenen Dachflächen. Deshalb wurden den Radien entsprechend gebogene Sparren aus Brettschichtholz hergestellt, vor Ort angepasst und montiert. Die Schalung aus Nut- und Federbrettern, 35 mm dick, sorgte dann für eine gute, stabile Unterlage für die neue Verschieferung. Die Holzprofilierung (Karnies) zwischen den Ebenen wurde überarbeitet und teilweise durch neue ersetzt. Auch die Firstbekrönung (Zwiebel) musste komplett erneuert werden.

 

Dachdecker- und Klempnerarbeiten:

Die Verschieferung war in einem sehr schlechten Zustand, die Regensicherheit nicht mehr gewährleistet, so dass eine Erneuerung unumgänglich war, insbesondere zum Schutz der Stuckdecke im Inneren. Die Art der Deckung Altdeutsche Deckung oder Rechteck-Doppeldeckung stellte hier die größte Herausforderung dar. Die Altdeutsche Deckung ist für gebogene Dächer eigentlich die bessere Variante, die Taufkapelle war aber immer mit einer Rechteck-Doppeldeckung gedeckt. In unserer Gegend auch Belgische Deckung genannt, charakteristisch dafür auch die Grate, die mit Blei abgedeckt werden. Die Rechteck-Doppeldeckung ist für gerade Dächer sehr gut geeignet, bei gebogenen Dächern liegen die Schieferplatten jedoch nie plan aufeinander, sondern stehen immer einen Spalt ab. Vergleichbar mit einem Ball, den man rundum mit Bierdeckel beklebt. Dem Wunsch der Denkmalbehörden, die Wiederherstellung der Rechteck-Doppeldeckung zu ermöglichen, sind wir dann nachgekommen. Mit Hilfe eines Sachverständigen haben wir Lösungen erarbeitet, bei denen die Schieferplatten in mehreren Reihen plan aufeinander liegen. Nach je 3-6 Reihen wird ein Edelstahlblech mit einem 25 mm Wulst eingebaut, der die Wölbung ausgleicht, wodurch die folgenden Reihen wieder plan aufeinander liegen. Nachteil dieser Lösung ist natürlich, dass die Dachfläche horizontal in Segmente aufgeteilt wird, dies war aber bei der früheren Eindeckung genauso. Für die Rechteck-Doppeldeckung sollten die Schiefer möglichst die gleiche Dicke haben und dünn gespalten sein. Dies garantiert die Verwendung von spanischem Schiefer, in unserem Fall aus Galicien. U.a. durch die Corona Pandemie kam es jedoch zu erheblichen Lieferengpässen, so dass wir einen Zeitverzug von ca. 5 Monaten  haben. Abschließend konnte dann auch die Firstbekrönung wieder mit Blei eingedeckt werden.

 

Natursteinarbeiten:

Das Natursteinmauerwerk zeigte sich insgesamt in einem guten Zustand, nur die Verfugung war zu 75% in einem desolaten Zustand. Oberflächlich sehr hart und stabil, aber darunter absandend. An vielen Stellen gab es zwischen Naturstein und Fugen Abrisse, so dass Regenwasser in das Mauerwerk eindringen konnte. Mit dem Institut für Bauforschung, RWTH Aachen, wurde ein 2005 für die Anna- und Matthiaskapelle entwickelter Mörtel an die Steinvarietäten der Taufkapelle angepasst und die Fugen neu verfugt. Im Bereich der gotischen Wandbereiche (Nord- und Westseite) konnten Schadstellen mit einem Steinergänzungsmörtel (ebenfalls 2005 für die Anna- und Matthiaskapelle entwickelt) beigearbeitet werden und somit der sichere Regenwasserablauf gewährleistet werden.

 

Beginn der Maßnahme mit der Einrüstung am 20.11.2018

Fertigstellung der Arbeiten / Abmeldung Gerüst 05.02.2021